»Man kann nicht kämpfen, wenn die Hose voller ist als das Herz.«

14.12.2012: Literatur an der CvO

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Hochschule Rhein-Main Wiesbaden

Eine Stunde zwischen Prosa und Lyrik

Lesungen von jungen Autorinnen und Autoren an Schulen gehören heute fast überall ins Programm, wie hochkarätig besetzt unsere Lese-Gästeliste ist, das zeigte sich wieder einmal am vergangenen Freitag in der Lesung mit Silke Scheuermann, der inzwischen arrivierten Schriftstellerin, die in diesem Jahr die ‚Poetikdozentur: junge Autoren‘ an der Hochschule RheinMain innehat. Und im Zusammenhang mit dieser Institution dieser Poetikdozentur freuen sich Schülerinnen und Schüler der CvO seit einigen Jahren auf Autorenlesungen – Marcel Beyer, Antje Ravic-Strubel gehören in die Gästeliste unserer Schule.

In einer Doppelstunde hatten die Deutsch-Leistungskurse Gelegenheit, Silke Scheuermann in einer Lesung und im Gespräch zu erleben. Drei Lyrikbände, drei Romane, Erzählungen, Hörspiele, ein Kinderbuch, journalistische Arbeiten für Zeitungen – schon in der Aufzählung spiegelt sich die Vielfalt der Autorin – und zahlreiche Preise vom kleinen, aber feinen Darmstädter ‚Leonce-und-Lena-Preis‘ über den Wiesbadener ‚George-Konell- Preis‘ hin zum bekannten ‚Droste-Preis‘ zeugen von der hohen literarischen Qualität ihrer Werke.

Nun also an der CvO ‚Die Häuser der anderen‘, der jüngste Roman – oder sind es doch eher vernetzte Erzählungen? Klug hatte sich Silke Scheuermann für das Schlusskapitel entschieden. Dort laufen Handlungsfäden, schießen Erinnerungssplitter so gekonnt zusammen, dass sich auch Zuhörer ohne Vorkenntnisse von der Atmosphäre der Stadt New York, der sicheren Dialogführung und der unaufdringlichen Weltklugheit der immer wieder sich über die Figuren einschaltenden Autorinnenstimme gefangen nehmen ließen. Im Anschluss an die Lesung erläuterte Silke Scheuermann selbstbewusst und selbstironisch zugleich im angenehm unangestrengten Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern einzelne Handlungsstränge aus ihrem biographischen Kontext heraus. Auf die Frage, wie sich denn das Leben junger Autoren wirtschaftlich gestalte, gab es eine ehrliche und dennoch verlockende Antwort – zwar sei es kein Beruf, um das Konto zu füllen, aber eine Leidenschaft, die sich über ein geschicktes Lebenskonzept und die Unterstützung aus Preisen und Stipendien zu einem reichen Erfahrungsfeld für neugierige und fragende Menschen entwickeln lasse.

Mit zwei Gedichten aus ihrer ersten Veröffentlichung ‚Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen‘ schlug sie zum Ende der Lesung einen Ton an, dem viele wohl gerne noch weiter gelauscht hätten. Eine aus der Einstimmigkeit des Alltags befreite Sprache entwickelte ihre zweite melodische und an Klängen reiche musikalische Dimension.

…wir sehen uns wieder - eingeladen von der Autorin zur Lesung in der Villa Clementine am 24. Januar 2013 um 19.30 Uhr und hoffentlich im kommenden Jahr in Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain im Rahmen der Poetikdozentur: junge Autoren.

Und für interessierte Leser hier noch der Buchtipp für Einsteiger: Silke Scheuermann ‚Die Stunde zwischen Hund und Wolf‘ (2007), ‚Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen‘ (2001) – beide als Taschenbuch lieferbar!

Werner Langenstein

Erstellt am 16. Dezember 2012
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