»Man kann nicht kämpfen, wenn die Hose voller ist als das Herz.«

Eine Reise in die Welt der Schwarzen Romantik

Die meisten Menschen verbinden mit der Romantik verliebte, sich ewige Liebe schwörende Paare, laue Sommernächte, flammende Herzen und Rosen. Auf unserer Exkursion des Kunst-Leistungskurses der Q1 am letzten Donnerstag, den 08.11.2012, nach Frankfurt am Main lernten wir sie in der Sonderausstellung "Schwarze Romantik" von einer ganz anderen, neuen Seite kennen, die sich wohl nur annähernd mit den Stichwörtern „geheimnisvoll-böse, dämonisch--religiös, mystisch-transzendent, märchenhaft-grotesk, poetisch-melancholisch“ beschreiben ließe.

Aber was sind schon Wörter im Vergleich mit den vielschichtigen Bildern der menschlichen Seele, die unzählige Künstler und Literaten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts darzustellen versuchten?

Am 08.11.2012 nahmen die Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses an einer Exkursion zum Frankfurter Städel-Museum teil, das in einer Sonderausstellung berühmte Gemälde des Pariser Musée d’Orsay, des Musée du Louvre, des Museo del Prado in Madrid und dem Art Institute of Chicago zeigt. Nach einer einstündigen Führung mit dem thematischen Schwerpunkt „Über die Realität hinaus“ sollte entsprechend des Q1-Themas des Landesabiturs „Das Bild des Menschen…“ eine praktische Auseinandersetzung mit den Menschenbildern der Ausstellung erfolgen.

Durch die Bekanntschaft mit Füsslis „Der Nachtmahr“ von 1790 zu Beginn der Führung wurde den Schülerinnen der Schlüssel in die Welt des Traumes und des Unterbewussten der menschlichen Seele gereicht:

In einem bühnenartigen, mit dunklen Vorhängen im Bildhintergrund begrenzten Raum liegt eine weiße Frauengestalt in dramatischer Pose auf ihren Bett, ihr Oberkörper beugt sich im Neunzig-Grad-Winkel zum Körper über die Bettkannte hinaus in die Tiefe. Auf dem Bauch der Schlafenden sitzt eine koboldähnliche Figur des Nachtmahrs, mit verschroben-nachdenklichem Blick den Betrachter fixierend. Durch den hinteren Vorhand blickt auf die Szenerie der Kopf eines blinden, wahnsinnigen Pferdes.

In der Führung lernten die Schülerinnen zahlreiche Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Filme internationaler Künstler der Romantik, des Symbolismus und Surrealismus kennen und ihre Faszination für das Abgründige, Geheimnisvolle und Böse. Im Anschluss machten sie sich eigenständig auf die Suche nach Menschenbildern in der Ausstellung, traten mit Ihnen in einen Dialog und setzten diese zeichnerisch mit Bleistift, Kohle, Rötelkreide u.a. auf verschiedenen Papieren um, oder verfremdeten Fotografien mit einem collageartigen Verfahren. So tauchten auf der Bildoberfläche eines schwarzen Papieres geisterhafte Gestalten wie aus Goyas Caprichos “Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ (1808-10) auf oder ein näckisch blickender Totenschädel mit hervortretenden Augen eines Julien Adolphe Dovocelle (1904). Die Zeit ging viel zu schnell vorbei, so dass viele Schülerinnen über das vereinbarte Exkursionsende hinaus noch länger in der Ausstellung verweilten:

„Der Museumsbesuch war für mich eine spannende, neue Erfahrung.“ (Christina Buchanewitsch)

„Durch die Führung bekamen wir viele Eindrücke, die wir danach in die eigene Kreativität einbringen konnten.“ (Magdalena Chlopecki)

„Der Tag war überwältigend, es war als würden wir eine andere Welt betreten, in der die Künstler und ihre Werke vergangener Jahrhunderte wieder lebendig werden.“ (Sandra Voss)

„Mir wurde erst jetzt bewusst, wie man durch das direkte Skizzieren von Werken die genaue Mal-und Zeichenweise eines Künstlers nachempfinden kann.“ (Sofia Böhme)

Am Donnerstag, den 20.12.2012, können von 15:00-17:00 diese sowie weitere Halbjahresarbeiten des Leistungskurses Q1 im Kunstraum 305 (3.Etage der Carl-von Ossietzky-Schule) bewundert werden.

Eingeladen sind alle kleinen und großen neugierigen Kunstliebhaber!

Der Kunst-LK Q1 und Frau Wolf-Ochoa

Erstellt am 15. November 2012
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