»Man kann nicht kämpfen, wenn die Hose voller ist als das Herz.«

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Chronologische Notizen zur ersten bundesdeutsch-sowjetischen Schülerbegegnung

Vom Aufbau eines Austausches zwischen dem Oberstufengymnasium West in der „alten“ Bundesrepublik Deutschland und der Moskauer Spezialschule für Deutsch Nr.13 in der Sowjetunion zur Schulpartnerschaft zwischen der Carl-von-Ossietzky-Schule im vereinigten Deutschland und dem Moskauer Linguistischen Gymnasium Nr. 1513 in der Russischen Föderation

1984: Bei Gesprächen mit Vertretern des ZK der KPdSU in Moskau verabredet Bundesminister a.D. Egon Bahr (MdB) eine Initiative zur Einleitung eines Schüleraustausches zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion.Die hessische Landesregierung greift die Anregung zu diesem Pilotprojekt auf und wählt zu seiner Realisierung neben einer Berufsschule in Kassel das Oberstufengymnasium West als allgemeinbildende Schule aus.

1985: Gorbatschow beginnt mit seiner Politik der Offenheit (Glasnost) und vorsichtigen Reformen(Perestroika).

November 1985 bis September 1986: Erarbeitung von Vorschlägen für die ersten Kontakte in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und inhaltliche sowie sprachliche Vorbereitung unserer Schüler/innen auf die erste Fahrt. Nach dem Reaktorunfall am 26.4.1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl werden die Auswirkungen für unsere Fahrtplanung ausführlich diskutiert; acht
Schüler/innen steigen aus dem Projekt aus.

19.10. bis 26.10.1986: Erster Besuch in Leningrad und Moskau. Der am Pilotprojekt beteiligte Gemeinschaftskundelehrer Helmut Nehrbass und die Russischlehrerin Rita Rueß-Stoll lernen an der Spezialschule Nr.13 den Direktor Alexander S. Bubman und seine Stellvertreterin Natalja G. Terentjewa kennen, die unseren Schülern in ihrer Schule Gespräche im kleineren Kreis erlauben. Vorsichtige freundschaftliche Kontakte zwischen Schüler/innen und Lehrerinnen und Lehrern beider Schulen beginnen. Die sowjetische Presse begleitet den Besuch. Über die Rückkehr unserer Gruppe wird in den bundesdeutschen Medien berichtet.

März 1987: Auf Einladung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung besucht eine sowjetische Delegation (darunter Schüler/innen und die Schulleitung der Moskauer Schule Nr.13 ) Wiesbaden. Den im Hotel untergebrachten Gästen wird erlaubt, ein Wochenende in deutschen Familien zu verbringen. Der Aufenthalt der sowjetischen Gruppe stößt in Deutschland auf ein außerordentliches Medienecho. Während eines bewegenden Abschiedsabends an unserer Schule entwickeln unser Schulleiter Rainer Lorenz und Alexander S. Bubman die Vision einer ersten deutsch-russischen Schulpartnerschaft.

Es beginnt ein langer Weg politischer Gespräche, zahlreicher Briefe mit der Bitte um Unterstützung, u.a. an Michail S. Gorbatschow und an unseren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, des Besuches durch hochrangige Vertreter des Ministeriums für Volksbildung der UdSSR und der Mitgestaltung von Modalitäten des deutsch-sowjetischen Kulturabkommens, das unsere Partnerschaft schließlich möglich machen sollte. Während dieser Zeit besuchen wir die Schule Nr.13 in Moskau mehrmals im Rahmen von Kursfahrten mit Schüler/innen der Fächer Russisch und Gemeinschaftskunde.

Januar 1989: Das Hessische Kultusministerium teilt uns mit, dass die Schulpartnerschaft nunmehr offiziell beschlossen ist. Wir werden eine vom Pädagogischen Austauschdienst in Bonn über viele Jahre geförderte sogenannte "Listenschule".

1989: Unser Schulleiter hat mit dem Erlernen der russischen Sprache begonnen. Mit Frau Janczyk aus dem Fachbereich Kunst sind wir inzwischen ein vierköpfiges Planungsteam, das bei der Durchführung des Austausches von zahlreichen Mitgliedern des Kollegiums unterstützt wird. In jedem Schuljahr findet nun eine Begegnung in beide Richtungen statt.  Während ihres Aufenthaltes wohnen die Schüler/innen in Moskauer bzw. Wiesbadener Familien. Deutsche Lehrer/innen unterrichten russische Schüler/innen und umgekehrt. Das OG West erhält den Namen Carl-von-Ossietzky-Schule. Die deutsch-deutsche Mauer fällt. Die innenpolitischen Verhältnisse in der Sowjetunion und die wirtschaftliche Versorgung werden mit jedem Monat instabiler.

1991: Putsch der "Hardliner"-Kommunisten gegen Staatspräsident Gorbatschow und schließlich Zerfall der Sowjetunion. Weder die russische noch die deutsche Schule gibt die inzwischen engen freundschaftlichen Beziehungen in diesen Zeiten der Krise auf.

1995: Der drei- bzw. zweiwöchige Austausch von Schülergruppen wird durch den dreimonatigen Austausch einer Schülerin und eines Schülers ergänzt.

1996: Die in Wiesbaden unter der Schirmherrschaft M.S. Gorbatschows tätige deutsche Stiftung Mischka-Kinderhilfe zeichnet im Rahmen eines Wettbewerbes Russisch die Carl-von-Ossietzky-Schule für ihr beispielhaftes Engagement für die Völkerverständigung Ost -West aus.

2000/2001: Der Neubau unserer in ein Linguistisches Gymnasium und ein Progymnasium umgewandelten Partnerschule ist so weit fertiggestellt, dass der Umzug aus der Brester Straße am Majakowskij-Platz auf ein Gelände in der Nähe des alten Arbat erfolgen kann. Der Beginn des internationalen Terrorismus stellt eine neue Herausforderung dar. Dennoch wird der bisher niemals unterbrochene jährliche Austausch fortgesetzt.

Oktober 2006: Die Stadt Wiesbaden zeichnet das Moskauer Linguistische Gymnasium Nr.1513 und die Carl-von-Ossietzky-Schule für 20jährige partnerschaftliche Beziehungen aus.

Oktober 2007: Im Vorfeld des „Petersburger Dialogs“ in Wiesbaden findet die 15.Russisch-Olympiade des Landes Hessen an der Carl-von-Ossietzky-Schule statt.Dr. Alexander Bubman, der Moskauer Schulleiter, ist Mitglied der Prüfungskommission; die Hessische Kultusministerin Karin Wolff ist in der Schule zu Gast.

2011: Die partnerschaftliche Beziehung beider Schulen besteht seit nunmehr 25 Jahren. Im Februar 2011 ist eine Wiesbadener Schülergruppe (begleitet vom Schulleiter Helmut Nehrbaß und Frau Minette Dorband) in Moskau; im März 2011 besucht die Moskauer Gruppe (begleitet vom Schulleiter Dr. Alexander Bubman, seiner - früheren - Stellvertreterin Natalja Terentjewa sowie der ebenfalls seit vielen Jahren im Austausch engagierten Kollegin Larissa Maimussova) die Carl-von-Ossietzky-Schule. Dr. Bubman wird von Oberbürgermeister Dr. Helmut G. Müller für seine großen Verdienste um die Begründung und Vertiefung der Schulpartnerschaft in einer Feierstunde in der Villa Clementine der Ehrenbrief des Landes Hessen verliehen. Im Herbst 2011 wird bereits die nächste Schülergruppe aus Moskau in Wiesbaden erwartet.

2012 Der Austausch geht weiter, auch nach dem Übergang von "Gründungslehrer" Helmut Nehrbaß (Schulleiter bis 1.2.2012) auf Niko Lamprecht (SL ab 6.6.2012) wird die Reihe gegenseitiger Besuche fortgesetzt. Im Herbst 2012 besucht eine Wiesbadener Lehrergruppe (mit dem neuen und alten Schulleiter, einigen Aktiven sowie "Ehemaligen" bzw. Veteranen der Austauscharbeit) die Moskauer Schule und wird sehr herzlich empfangen. Alexander Bubman und Niko Lamprecht vereinbaren eine weitere sehr enge Kooperation.

2013 Die Moskauer Schülergruppe besucht im November Wiesbaden und verbringt zwei sehr intensive Wochen mit einem ansprechenden Programm (siehe Aktuelles im November 2013). Marina Goryunova und Swetlana Nasedkina begleiten die russischen Schüler, von CvO-Seite organisieren diesmal besonders Minette Dorband und Rita Rueß-Stoll (unterstützt von weiteren Kräften) den Austausch. Oberbürgermeister Sven Gerich empfängt die Schülergruppe im Rathaus, Alexander Bubman dankt herzlich aus Moskau für die "großartige Betreuung"!

Stand 11/2013
Rita Rueß-Stoll / Niko Lamprecht